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Diagnose Therapie Informationen aus der Industrie

Stimmstörungen: Diagnose

Stimmstörungen (Synonyme: Dysphonie, Heiserkeit)

Laryngitis acuta

Anamnese

  • Veränderungen der Stimme: Klang, Lautstärke, Stimmlage
  • Auftreten (plötzlich, allmählich fortschreitend, intermittierend)
  • Infekt der oberen Luftwege
  • Begleitsymptome (Husten, Dyspnoe, Ohrenschmerzen)
  • Allgemeinzustand (starke Gewichtsabnahme bei Allgemeinerkrankungen)
  • Vorgeschichte (neurologische Affektionen, Lungen-, Darmerkrankungen)
  • Beruf des Patienten (Sänger, Lehrer)

Diagnostik

Laryngoskopie: pathologischer Schleimhautbefund; cave: Stimmlippenkarzinom!

Merke: Bei jeder länger als 3 Wochen bestehenden Heiserkeit Laryngoskopie! Je nach Befund weitere Untersuchungen (Stroboskopie, Mikrolaryngoskopie in Narkose, evtl. Biopsie; CT bzw. MRT von Kehlkopf und Hypopharynx).

 

Chronische Laryngitis

Ursachen

  • Tabakabusus
  • Alkoholabusus
  • Rezidivierende Infekte
  • Nasen- und Nasennebenhöhlenentzündungen
  • Reize durch Atemluft
  • Stimmliche Überlastung u. a. 

Befund

Hyperplastische Laryngitis

graurote, walzenförmig verdickte Stimmlippen

 

Laryngitis sicca

meist nur leicht gerötete Stimmlippenkanten, gelegentlich mit angetrocknetem Sekret bedeckt; meist Folge einer Rhinopharyngitis sicca

 

Spezifische Laryngitis tuberculosa

selten; typisch: Monochorditis (eine Stimmlippe gerötet und verdickt) 

Reinke-Ödem

Ödematöse, meist blasse Schwellung (Ödem) einer oder beider Stimmlippen

Kehlkopfpapillom

Befund

Tumoren, an das Aussehen einer Himbeere erinnernd. Bei Kindern multiform gutartig, aber rezidivierend (Papillomatose); beim Erwachsenen solitär, häufig Entartung; weißliche Stimmlippenauflagerung, kontrollieren.

Präkanzerose

Wie ein maligner Tumor einzuschätzen

Verlauf

Fortschreitende Dysphonie, bei Kindern auch Stridor

Gutartige Tumoren

Isolierter Polyp

(Breitbasig oder gestielt) auf beweglich bleibendem Stimmband (Diplophonie: plötzlicher Wechsel in der Klarheit der Stimme); meist Endzustand einer chronisch-hyperplastischen Laryngitis

 

Doppelseitige Stimmbandknötchen

Seltener: Hämangiome, Fibromyome, Chondrome, Granuloma pyogenicum (Intubationsgranulom)

Stimmlippenkarzinom

Symptome

  • Heiserkeit
  • Räusperzwang
  • Globusgefühl und Dysphagie nur in fortgeschrittenen Fällen
  • Halslymphknoten 

Befund

Knotenbildung, Exulzeration oder Infiltration im Bereich einer anfangs noch gut beweglichen Stimmlippe. Zunehmender Verlust der Stimmlippenelastizität und -beweglichkeit.

Karzinom im supraglottischen Bereich

Symptome

  • Schluckbeschwerden, später auch Stimmstörung
  • Dyspnoe
  • Zum Ohr derselben Seite ausstrahlender Schmerz
  • Oft regionäre Lymphknotenbeteiligung 

Prävention

Für alle Tumoren des Nasen-Hals-Bereichs sind hochgradige Risikofaktoren:

  • Chronischer Tabak- und Alkoholkonsum
  • Sanierungsbedürftige Zähne, mangelnde Mundhygiene
  • Berufliche Exposition: Holz-, Zement-, Asbeststaub, Chrom- und Nickeldämpfe, Schwefelsäuredämpfe, Dieselabgase, organische Lösungsmittel etc.

 

Lähmung des Nervus recurrens

Ursachen

Benigne oder maligne Tumoren im Bereich des Nervenverlaufs (Schädelbasis, Schilddrüse, Lunge, Mediastinum); traumatische Genese, iatrogene Genese (Strumaresektion); selten harmlose Ätiologie (Grippevirusinfekt, "Erkältung")

Befund

Kehlkopfschleimhaut normal, ein- oder beidseitige Kehlkopflähmung mit Fixierung des Stellknorpels in Paramedian- oder Intermediärstellung, Stimmlippe straff (akut) oder exkaviert (lange bestehend). Eine einseitige Lähmung behindert die Atmung nicht. Eine beidseitige Kehlkopflähmung kann Atemnot verursachen, insbesondere bei Belastung oder Infekt. Bei straffen Stimmlippen ist die Stimme gut, bei exkavierten (Kadaverstellung) schlecht.

Funktionelle Stimmstörung

Ursachen

Entsteht meist durch stimmliche Belastung bei gleichzeitig falscher Stimmtechnik (Internusparese: ovaläre Schlussinsuffizienz). Auch Möglichkeit der psychogenen Mitauslösung, oft mit Globussymptomatik verbunden. Phoniatrische Behandlung erforderlich. Funktionelle Aphonie: meist psychogen ausgelöste Stimmlosigkeit. Mutatio tarda: Verzögerung des Stimmbruches, Beibehaltung der Knabenstimme.

Endokrine Stimmstörung

Im Rahmen einer Virilisierung durch Gabe von Androgenen oder Anabolika bei der Frau. Stimmstörung ist irreversibel! Besonders gefährdet sind Frauen von virilem Habitus und während des Klimakteriums und in der Menopause.

Stimmstörungen beim Kind

Ursachen

Kehlkopfmissbildungen, Stimmlippenknötchen (Schreiknötchen); selten: Kehlkopfpapillomatose (traubige weiß-graurote Vegetationen an Stimmlippen und/oder anderen Teilen der Larynxschleimhaut) mit schwerer Beeinträchtigung der Atmung. Funktionelle Stimmstörungen im Kindesalter nehmen zu. 

Diagnostischer Stufenplan: Stimmstörungen

 

   
Heiserkeit > 3 Wochen
   

 
Laryngoskopie
 
Röntgen: Thorax
 
   
Path. Kehlkopfschleimhaut
 
Normale Schleimhaut
   
 
   
Mikrolangoskopie
 
Endokrinium
Virilisierung?
   
 
   
Biopsie
 
Psych. Untersuchung
   
       
MRT
       

 

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Letztes Update:12 März, 2009 - 15:23